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Nebel

Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse

Quelle: http://www.gedichte.vu/?im_nebel.html

Flaute Teil II

Auch heute ist es schwierig – der Tag hat noch fünf Stunden und vier Minuten und ich habe noch nichts entdeckt. Nun ja, ich habe auch nichts unternommen, was entdeckungsfördernd gewesen wäre. Hätte ich einen Kurztrip unternommen, ein Buch gekauft, kulinarisch experimentiert … hätte ich vielleicht etwas zu berichten.

Hätte, wäre, sollte … der Stau heisst auch: ich habe noch nicht herausgefunden, warum dies und jenes nicht funktioniert. Wahrscheinlich braucht es etwas Distanz und Ruhe und eine erneute Auseinandersetzung dazu. Es ist nicht zu erzwingen.

Langweilig.

Öd.

Fühlt sich an, wie wenn man beim Memory-Spielen unzählige Kärtchen aufdeckt, die nicht zusammenpassen und sich vor lauter Müdigkeit aber die neu offengelegten Positionen gar nicht merken kann.

P.S. Entdecken delegiert: Auf meinem PC gibt es fast 900 Doubletten von Fotos, hat das Füchslein von VisiPics mir unter die Nase gerieben.

Witz komm raus …

… du bist umzingelt – genau so geht es mir heute mit dem Entdecken. Der Tag hat noch vier Stunden und 20 Minuten und ich habe noch nichts entdeckt.

Entdecken heisst für mich: Staunen – Wow – so ist das?! Oder eben gerade so ist das nicht. Vielleicht auch ein wenig wie Kolumbus – auf der Suche sein nach etwas Bestimmtem und etwas ganz anderes, aber unglaublich Tolles, finden. Sich beeindrucken lassen. Offen sein für unerwartete Wendungen.

Wenn ich es heute also noch nicht geschafft habe, etwas zu entdecken, heisst das, ich habe zu wenig in die Welt geschaut? Liegt es am „Entdeckungsfilter“, dem Bedürfnis, jede neue Entdeckung gleich zu bewerten, zu klassifizieren, festzustellen, ob sie teilungswürdig ist?

Könnte ich aus dem Vorrat etwas hervorholen? Wie das Eichhörnchen die Nüsse irgendwo versteckt hat, ein paar Staunmomente verscharren und bei Bedarf ausgraben … Nein, das will ich nicht. Das Staunen muss an dem jeweiligen Tag geschehen sein. Staunen kann man nicht erzwingen. Verhindern vielleicht, aufbewahren keinesfalls.

Man kann sich daran erinnern – an den Wow-Moment. Irgendwann später wird er vielleicht wieder präsent durch irgendein Erlebnis, eine Assoziation, einen Memory-Effekt. Wahrscheinlich gibt es für das Staunen eine Schwelle – ohne meine Aufmerksamkeit, ohne mein waches Auge, mein offenes Herz wird es schwierig.

Die Grundausrüstung fürs Staunen: Zeit und Musse. Offenheit und Aufmerksamkeit. Unvoreingenommenheit, Lockerheit, sich treiben lassen können. Heute ist mir das noch nicht gelungen. Zu zielgerichtet habe ich meinen Tagesablauf erledigt und absolviert. Zu wenig aufgeschaut zum Himmel – denn das Wolkenkino bringt mich immer wieder von neuem zum Staunen. Ich weiss das, erleben konnte ich es heute nicht.